Kiel ist Hauptstadt der Kinderarmut

Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung gegen Kinderarmut

 Wir brauchen eine gemeinsame Kraftanstrengung gegen Kinderarmut

 In der vergangenen Woche hielt Prof. Dr. Kai Marquardsen seine Einführungsvorlesung zum Thema „Kinderarmut und soziale Teilhabe von Kindern und ihren Familien“ an der Fachhochschule Kiel. Sein Vortrag machte noch einmal deutlich, dass Kinderarmut gerade in Kiel ein drängendes Problem ist. Denn Kiel gehört zu den elf Städten und Regionen in Deutschland mit der höchsten Kinderarmut. 

Nach einer Studie der Bertelsmann Stiftung befinden sich 30 Prozent der Kinder in Kiel in einer Armutslage. Hinzu kommt als Besonderheit, dass sich in kaum einer anderen Stadt die Armut in bestimmten Quartieren so stark ballt wie in Kiel. Eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung zeigt, dass das auch für die Kinderarmut in Kiel gilt. Zum einen sind in Kiel besonders viele Kinder arm, zum anderen ballen sich in Armut lebende Kinder in bestimmten Stadtteilen. Insbesondere in Mettenhof und in Gaarden sind mehr als 60 Prozent der Kinder in Armutslagen.
 
Zu diesem Thema erklärt der Kieler Landtagsabgeordnete, Tobias Loose: „Wir tun in Kiel viel zu wenig, um Kinderarmut zu bekämpfen. Wenn wir nicht wollen, dass in Stadtteilen wie Mettenhof und Gaarden eine Generation der Hoffnungslosigkeit heranwächst, müssen wir über alle Ebenen an diesem Thema arbeiten. Ganz besonders ist allerdings die Stadt Kiel gefordert. Denn die Landeshauptstadt ist auch die traurige Hauptstadt der Kinderarmut in Schleswig-Holstein. Ich kann nicht erkennen, dass die Stadt an einer Strategie gegen Kinderarmut arbeitet. Im Kooperationsvertrag der Ratshausampel findet das Wort Kinderarmut mit keinem Wort Erwähnung. 
 
Der Bund hat mit dem Teilhabepaket einen wichtigen Baustein zum Kampf gegen Kinderarmut geschaffen. Einige Unterstützungsmaßnahmen sind kürzlich noch einmal erweitert worden. Die private Initiative „Kein Kind ohne Mahlzeit“ aus Kiel hat bundesweit Aufmerksamkeit erzeugt. Nachdem das Land die Finanzierung übernommen hat, wird nun der Bund die Kosten übernehmen. Im Rahmen der KiTa-Reform des Landes werden Kiel zusätzlich 30 Millionen Euro auch für das Thema Qualität in den KiTas zur Verfügung gestellt. Diese Reform bietet auch die Chance, Kinderarmut und Quartiere mit besonderen Problemlagen besser in den Fokus zu nehmen.
Wir wissen, dass Bildung die beste Antwort auf Kinderarmut ist. Deshalb wird das Land Schleswig-Holstein als erstes Flächenbundesland einen Bildungsbonus für Schulen in herausfordernden Lagen einführen. Über einen Sozialindex werden bis 2024 50 Millionen Euro an Schulen in Schleswig-Holstein verteilt. Ich rechne damit, dass Kiel mit deutlich mehr als zehn Millionen Euro aus diesem Programm profitieren wird. Man muss kein Experte sein, um zu wissen, dass das Geld wohl besonders Schulen in den Stadtteilen Mettenhof und Gaarden zu Gute kommen wird. 
 
Das Landesprogramm bietet die Chance, die Lebensverhältnisse der Kinder vor Ort signifikant zu verändern. Die größte Wirkung werden wir aber nur erzielen können, wenn auch die Stadt Kiel diese Maßnahmen mit eigenen Mitteln unterstützt. Wir müssen uns um die Übergänge von der KiTa, zur Schule und in die Ausbildung kümmern. Wir müssen multiprofessionelle Netzwerke in den betroffenen Stadtteilen und Quartieren deutlich verstärken. Und wir müssen uns neben den Kindern auch um die Eltern kümmern. Das geht nur, wenn die Maßnahmen des Landes und des Bundes nicht alleine stehen, sondern durch zusätzliches Geld von der Stadt Kiel verstärkt werden. Es besteht die Chance, in den kommenden Jahren spürbar etwas gegen die Kinderarmut in Kiel zu unternehmen und die Zukunftschancen von Kindern in Armut deutlich zu verbessern. Ich erwarte von allen Beteiligten, dass wir diese Chance auch nutzen.“  
 
Weiter Informationen und Studien sind unter folgenden Links zu finden:
 
Studie Bertelsmann

Sozialbericht der Stadt Kiel 2018

Studie des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung – Soziale Segregation
 

Nach oben